Eine Person mit braunen Haaren und Headset sitzt an einem Schreibtisch und hält einen großen blauen Schlüssel in der Hand. Sie richtet den Schlüssel auf ein Vorhängeschloss, das auf einem Computerbildschirm abgebildet ist. Auf dem Bildschirm ist ein Dokument mit einem großen Schloss davor zu sehen. Auf dem Tisch liegen noch drei weitere große, bunte Schlüssel (rot, gelb, grün). Außerdem befinden sich eine Tastatur, ein Stift und ein Blatt Papier auf dem Tisch.

Umgang mit PDFs

PDF-Dateien als Blinder meistern: Werkzeuge und Strategien für den barrierefreien Umgang

PDF-Dateien sind aus dem digitalen Alltag nicht mehr wegzudenken – ob für Rechnungen, Anleitungen oder offizielle Formulare. Doch für blinde und sehbehinderte Menschen stellen sie oft eine große Hürde dar. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, warum PDFs so herausfordernd sein können und welche konkreten Werkzeuge und Techniken Ihnen helfen, diese Hürden zu überwinden. Die Inhalte basieren auf unserer Smütech-Podcastfolge „PDF-Dateien als Blinder meistern (Folge 78)“.

Podcast direkt anhören:

78 – PDF-Dateien als Blinder meistern

Warum PDF für Blinde eine Herausforderung ist

Eine PDF-Datei ist im Grunde wie eine Webseite: Sie wird von Screenreadern wie JAWS und NVDA als virtuelles Dokument behandelt. Ob sie gut lesbar ist, hängt entscheidend davon ab, ob der Ersteller sie korrekt strukturiert hat. Wichtige Elemente für die Barrierefreiheit sind:

  • Tags und Überschriften: Nur mit einer sauberen Gliederung durch Überschriften können Sie schnell durch das Dokument navigieren.
  • Alternativtexte für Bilder: Grafiken und Logos müssen mit einem Alternativtext versehen sein, damit der Screenreader ihren Inhalt wiedergeben kann.
  • Korrekte Tabellenstruktur: Inhalte wie Kontoauszüge sind oft in Tabellenform angeordnet. Fehlt die korrekte Auszeichnung, liest der Screenreader die Informationen nur als unstrukturierten Text vor, was die Zuordnung unmöglich macht.

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz verpflichtet Behörden und Unternehmen zunehmend zur Barrierefreiheit. Das bedeutet aber auch, dass wir als Nutzer die digitalen Kompetenzen besitzen müssen, um diese barrierefreien Angebote auch nutzen zu können.

Die Werkzeuge im Vergleich: Nicht jeder PDF-Reader ist geeignet

Unsere Tests zeigen, dass die Wahl des richtigen Programms entscheidend für den Erfolg ist.

  • Microsoft Edge Browser: Der in Windows integrierte Edge-Browser ist die mit Abstand beste Lösung für das Lesen von PDF-Dateien. Er behandelt PDFs wie Webseiten, ermöglicht die Navigation über Überschriften (H-Taste) und stellt Links korrekt dar. Selbst komplexe Inhaltsverzeichnisse werden als aufklappbare Baumstruktur angezeigt, was die Navigation in langen Dokumenten enorm erleichtert.
  • Adobe Acrobat Reader: Der einstige Marktführer und Erfinder des PDF-Formats ist im puncto Barrierefreiheit leider kaum noch zu gebrauchen. Selbst in sauber strukturierten Dokumenten erkennt er häufig keine Überschriften und macht die Navigation dadurch unnötig schwer.
  • Foxit PDF Reader: Dieser kostenlose Reader (hier geht’s zum Download) ist das Werkzeug der Wahl, wenn es um das Ausfüllen von PDF-Formularen geht. Während der Adobe Reader hier oft komplett versagt, erkennt der Foxit Reader die Eingabefelder korrekt und ermöglicht das Ausfüllen und Speichern des Formulars.

Die Lösung für unzugängliche PDFs: Microsoft Word

Was tun, wenn eine PDF-Datei nur ein Scan ist und gar keinen Text enthält („nicht durchsuchbare PDF“)? Hier bietet Microsoft Word eine überraschend mächtige Funktion: Sie können PDFs direkt in Word öffnen. Word führt dann eine Texterkennung (OCR) durch und konvertiert das Dokument in eine bearbeitbare Word-Datei.

Der Vorteil: Word erkennt dabei oft Tabellenstrukturen, die für Screenreader sonst unsichtbar wären. So werden unleserliche Dokumente wie Kontoauszüge oder eingescannte Formulare plötzlich navigierbar und verständlich. Die Texterkennung von JAWS ist zwar oft präziser, aber die Strukturerkennung von Word ist in vielen Fällen überlegen.

Wir unterstützen Sie beim Meistern Ihrer digitalen Aufgaben

Der Umgang mit verschiedenen PDF-Typen und den richtigen Werkzeugen erfordert Übung. Wenn Sie sicherstellen wollen, dass Sie für die Anforderungen des digitalen Alltags gewappnet sind, unterstützen wir Sie gerne. In unseren individuellen Schulungen zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie jede PDF-Hürde meistern.

Zu Schulung & Fernwartung

Zusammenfassung

Die Barrierefreiheit von PDF-Dateien hängt stark von deren Erstellung und dem verwendeten Anzeigeprogramm ab. Für das reine Lesen ist der Microsoft Edge Browser die beste Wahl. Für das Ausfüllen von Formularen ist der Foxit PDF Reader unerlässlich. Unzugängliche, gescannte PDFs lassen sich hervorragend mit der Konvertierungsfunktion von Microsoft Word lesbar machen. Mit den richtigen digitalen Kompetenzen und Werkzeugen verlieren PDFs ihren Schrecken und werden zu einem barrierearmen Teil Ihres Alltags.

FAQ – Häufige Fragen

Was bedeutet PDF?
PDF steht für „Portable Document Format“, zu Deutsch „transportables Dokumentenformat“.

Kann ich als Blinder Kommentare in PDFs einfügen?
Leider ist das Einfügen von Kommentaren mit den gängigen Programmen und Screenreadern aktuell nicht barrierefrei möglich.

Meine Tastatur hat keine Kontextmenü-Taste. Was kann ich tun?
Die Tastenkombination Umschalt + F10 hat dieselbe Funktion wie die Kontextmenü-Taste und funktioniert systemweit.