OpenAI-Umfrage: Wie blinde Menschen in Großbritannien KI im Alltag nutzen

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

zwei britische Medienberichte vom 6. November 2026 beschreiben dieselbe Meldung: eine von OpenAI in Auftrag gegebene Umfrage unter 500 blinden und sehbehinderten Erwachsenen in Großbritannien. Die Texte von Daily Star und Brit Brief sind inhaltlich weitgehend deckungsgleich; eine unabhängige Zweitbestätigung habe ich dazu nicht gefunden. Eine Originalveröffentlichung von OpenAI mit Angaben zur Durchführung habe ich nicht gefunden.

Quellen:
https://www.dailystar.co.uk/showbiz/ai-gives-blind-britons-freedom-37849884
https://britbrief.co.uk/tech/ai/ai-hailed-as-biggest-accessibility-breakthrough-since-iphone.html

Was die Berichte an Zahlen nennen – und worauf sie sich beziehen

Laut beiden Texten nutzen nahezu vier von fünf der Befragten KI im Alltag. 91 Prozent geben an, damit Aufgaben zu erledigen, für die sie zuvor sehende Hilfe gebraucht hätten. Auf welche Gruppe sich diese Prozentwerte beziehen – alle 500 Befragten oder nur die KI-nutzenden Befragten –, bleibt in den zugänglichen Berichten unklar.

Ausdrücklich als Angabe zu „blind and visually impaired users“ (blinde und sehbehinderte Nutzerinnen und Nutzer) steht dort: 97 Prozent sagen, KI mache Routinearbeiten schneller und leichter allein erledigbar.

Die Berichte nennen außerdem weitere Prozentwerte: rund die Hälfte hole schnell Informationen, 49 Prozent nutzten KI zum Einkaufen und Vergleichen, 46 Prozent zum Beschreiben der Umgebung, 43 Prozent für Verwaltungsaufgaben wie das Ausfüllen von Online-Formularen; neun von zehn bevorzugten Sprache statt Tippen; knapp ein Drittel habe KI für Bewerbungen oder berufliches Weiterkommen genutzt, 21 Prozent für den Start eines Geschäfts. Für diese Werte wird die jeweilige Bezugsgruppe nicht eindeutig ausgewiesen.

Gesondert von der Umfrage erwähnen die Texte OpenAI-Zahlen: Rund 70.000 barrierefreiheitsbezogene Anfragen aus Großbritannien in einer Woche. Was genau als solche Anfrage zählt, erläutern die zugänglichen Berichte nicht.

Der blinde Komiker Chris McCausland wird ausführlich zitiert. Er nutze sprachgesteuerte KI täglich und nenne sie den größten Durchbruch bei der Barrierefreiheit seit dem iPhone; Beispiele seien praktische Hilfe und das Beschreiben von Zeichnungen seiner Tochter.

Einordnung

Es handelt sich um eine anbieterfinanzierte Auftragsstudie. Das allein macht die Zahlen nicht ungültig – Unabhängigkeit und Repräsentativität sind aber verschiedene Dinge. Die Zahl der Befragten ist bekannt. Wie die Teilnehmenden ausgewählt wurden und wie repräsentativ die Ergebnisse für alle blinden und sehbehinderten Erwachsenen in Großbritannien sind, geht aus den zugänglichen Berichten nicht hervor.

Meine Linie: KI kann Alltagserleichterung sein. Sie ersetzt weder Sinne noch Langstock noch Orientierungs- und Mobilitätstraining. Zahlen aus Medienberichten lese ich mit der Frage: Wer wurde gefragt – und auf wen bezieht sich der Prozentsatz?

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Ihr Joachim Schulze