Aktualisiert am 28.10.2026
Grok AI – Wie aus dem Kräuterlikör eine scharfsinnige KI wurde
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
viele von Ihnen kennen sicher noch den alten Kräuterlikör „Grock“ (mit „ck“), der in den 80er- und 90er-Jahren in so manchem Haushalt gegen Erkältungen zum Einsatz kam. Heute steht Grok AI (mit „k“) für etwas völlig anderes: die KI von xAI, dem Unternehmen von Elon Musk. In der Smütech-Podcast-Folge 102 „Grok AI“ habe ich mich diesem spannenden Themenwechsel gewidmet und beleuchtet, was Grok für blinde und sehbehinderte Menschen leisten kann – und wo es noch hapert.
Das Wichtigste in Kürze
- Grok ist die KI von xAI; der Name stammt aus Robert A. Heinleins Roman „Stranger in a Strange Land“.
- Die App für iOS und Android lässt sich im Sprachmodus starten und läuft mit VoiceOver stabiler als die ChatGPT-App.
- Im Browser fehlen oft klare Überschriften – mit JAWS oder NVDA braucht es mehr Schritte.
- Stärken: aktuelle Recherche und realistische Bilder; Schwächen: umständliches Löschen hochgeladener Dateien.
- Es gibt eine kostenlose Basisversion; für die neuesten Modelle brauchen Sie seit Oktober 2026 mindestens den Premium-Tarif der „X Subscription“ für 30 US-Dollar im Monat.
Woher kommt der Name „Grok“ eigentlich?
Der Begriff stammt nicht aus der Likör-Tradition, sondern aus dem Science-Fiction-Roman „Stranger in a Strange Land“ von Robert A. Heinlein. Dort bedeutet „grok“ nicht nur oberflächliches Verstehen, sondern ein tiefes, intuitives Durchdringen eines Themas. xAI hat diesen Namen bewusst gewählt – die KI soll komplexe Sachverhalte wirklich erfassen. Ob das gelingt, schaue ich mir genauer an.
Was unterscheidet Grok von ChatGPT, Gemini & Co.?
Grok positioniert sich bewusst anders. xAI betont: „Wir behandeln Erwachsene wie Erwachsene.“ Das bedeutet unter anderem:
- Deutlich weniger Zensur und Bevormundung bei kontroversen Themen
- Rollenspiele und persönliche Gespräche sind möglich – auch mit den sogenannten „Grok Companions“ (Begleitern), die teilweise sehr flirty daherkommen
- Privater Chat-Modus, bei dem Gespräche angeblich nicht auf den Servern gespeichert werden (Stand der Folge im Februar 2026)
Dazu kommt ein expliziter Kindermodus, um jüngere Nutzer besser zu schützen. Datenschutz wird hier zumindest auf den ersten Blick ernster genommen als bei manchen Mitbewerbern.
Grok AI und Barrierefreiheit – Stärken und Schwächen
Gerade für uns blinde und sehbehinderte Menschen ist die Bedienbarkeit entscheidend. Hier zeigt Grok Licht und Schatten:
Positiv:
- Die Grok-App (iOS/Android) lässt sich im Sprachmodus starten – sehr praktisch!
- VoiceOver-Probleme wie bei der ChatGPT-App (ständiges „Generieren…“-Hängen) treten deutlich seltener auf
- Audio-Modus und Kamera-Funktion („Schau mal auf meinen Thermostat“) funktionieren solide
Verbesserungswürdig:
- Hochgeladene Dateien löschen geht nur am Windows-PC mit virtuellem Cursor – sehr umständlich
- Im Browser (grok.com) fehlen oft klare Überschriften; die Navigation mit JAWS oder NVDA erfordert mehr Schritte als bei ChatGPT
- Automatisches Vorlesen neuer Antworten fehlt häufig – man muss manuell hinspringen
Wer regelmäßig PDFs oder gescannte Dokumente analysieren lassen möchte, bleibt besser bei ChatGPT oder Gemini, da die Dateien bei Grok im Nachgang mühsam von Hand gelöscht werden müssen.
So probieren Sie Grok mit VoiceOver aus
- Laden Sie die Grok-App aus dem App Store oder Google Play Store.
- Melden Sie sich an; für den Einstieg reicht die kostenlose Basisversion.
- Starten Sie den Sprachmodus und stellen Sie Ihre Frage einfach mündlich.
- Nutzen Sie die Kamera-Funktion, etwa mit „Schau mal auf meinen Thermostat“.
- Prüfen Sie wichtige oder kontroverse Antworten kritisch und fordern Sie bei Bedarf ausdrücklich Quellen an.
Recherche, Bildgenerierung und Kosten
Grok glänzt bei gezielter Recherche – besonders wenn es um aktuelle Themen geht. Die Antworten sind oft ausführlich und auf dem neuesten Stand, allerdings neigt die KI mitunter zu einer eigenen Meinung, die man dann korrigieren muss. Quellen nennt sie nur auf explizite Aufforderung.
Bildgenerierung (über „Imagine“) funktioniert gut, die Ergebnisse wirken oft realistischer als bei manchen Konkurrenten, sind aber kleiner und weniger hochauflösend.
Seit Oktober 2026 bündelt der Anbieter Grok, X Premium und weitere Dienste in der „X Subscription“. Für den Zugriff auf die neuesten Grok-Modelle brauchen Sie mindestens den Premium-Tarif für 30 US-Dollar im Monat zuzüglich Steuern, also mehr als zum Beispiel für Google AI Pro (früher Gemini Advanced) mit 21,99 Euro im Monat. Bestehende SuperGrok-Abos laufen weiter. Daneben gibt es eine kostenlose Basisversion mit begrenzter Nutzung pro Zeitintervall und den günstigeren Plus-Tarif für 8 US-Dollar im Monat. Preise und Tarife ändern sich häufig, prüfen Sie sie daher vor dem Abschluss auf x.ai.
Wie Sie Grok und andere KI-Systeme mit Blick auf Grenzen, Agenten und getrennte Cloud-Konten nutzen, erkläre ich im Beitrag KI Grenzen für Blinde: Was geht, was nicht.
Für wen ist das?
Grok ist besonders interessant für Menschen, die:
- weniger bevormundende Antworten wünschen
- gerne mal kontroverse oder sehr persönliche Themen besprechen möchten
- die iPhone-App schätzen und den Sprachstart-Modus nutzen wollen
- einen zweiten oder dritten KI-Begleiter neben ChatGPT/Gemini suchen
Wer hauptsächlich Dokumente analysiert oder maximale Barrierefreiheit im Browser braucht, sollte vorerst bei den etablierten Alternativen bleiben.
Passend dazu auf Tipps & Infos
- ChatGPT vs. Gemini: Die beiden großen KI-Assistenten im Vergleich.
- Perplexity AI: Eine Suchmaschine, die spricht.
- Künstliche Intelligenz beim Screenreader JAWS: KI direkt im Screenreader.
- Meta Ray-Ban für Blinde: KI auf der Nase im Alltag.
- Mein Arbeitsalltag mit KI als blinder Unternehmer: Lokale KI, Bots und barrierefreie Apps im echten Arbeitstag.
FAQ – Häufige Fragen zu Grok AI
Gibt es eine kostenlose Testversion?
Ja, die Basisversion ist kostenlos, allerdings mit begrenzter Anzahl an Nachrichten pro Zeitintervall (meist alle paar Stunden erneuert). Die bezahlten Tarife lassen sich monatlich abschließen und kündigen.
Wie aktuell sind die Informationen von Grok?
Sehr aktuell – dank Echtzeit-Zugriff auf X und Web-Suche. Allerdings sollte man kontroverse Aussagen immer kritisch prüfen.
Funktioniert Grok gut mit Screenreadern?
Grundsätzlich ja, vor allem in der App. Im Browser gibt es noch Optimierungsbedarf bei der Navigation und beim automatischen Vorlesen.
Sind die Grok Companions nur Spielerei?
Nicht nur. Für Menschen, die wenig soziale Kontakte haben, können solche Gespräche echte emotionale Unterstützung bieten – auch wenn es „nur“ eine Maschine ist.
Eignet sich Grok für PDFs und gescannte Dokumente?
Nur bedingt. Hochgeladene Dateien lassen sich bisher nur am Windows-PC mit virtuellem Cursor löschen. Wer regelmäßig Dokumente analysieren lässt, bleibt besser bei ChatGPT oder Gemini.
Fazit
Grok AI ist ein spannender KI-Begleiter mit gut bedienbarer App, aktueller Recherche und weniger Bevormundung. Für die Arbeit im Browser und mit Dokumenten haben ChatGPT und Gemini derzeit noch die Nase vorn. Als zweiter oder dritter KI-Assistent ist Grok für blinde und sehbehinderte Menschen aber durchaus einen Versuch wert. Ob der Name mehr Marketing als Realität ist, beurteilen Sie am besten selbst.
Hören, lernen, mitmachen
Alle Details hören Sie in der Smütech-Folge 102 Grok AI. Eine unterhaltsame, kritische und zugleich fundierte Folge über künstliche Intelligenz und den Unterschied zwischen Verstehen und Behaupten.
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Ihr Joachim Schulze
