Aktualisiert am 28.10.2026
Ordnung auf dem PC: So finden Sie Ihre Dateien auch mit Screenreader wieder
Ordnung auf dem PC ist für blinde Menschen keine Pedanterie. Kennen Sie das? Sie wissen genau, dass eine Datei irgendwo auf Ihrem Rechner existiert – aber nicht mehr, wo. Gerade als blinder oder sehbehinderter Mensch wird aus „ein bisschen Unordnung“ schnell ein echtes Hindernis im Alltag: Der Desktop ist voll, der Explorer wirkt unübersichtlich, und jede Suche kostet Nerven und Zeit.
In der Smütech-Folge 100 Ordner auf dem Windows-Rechner zeige ich Schritt für Schritt, wie Sie mit Bordmitteln von Windows für klare Strukturen sorgen können.
Das Wichtigste in Kürze
- Windows-Taste + E öffnet den Explorer, Windows-Taste + D den Desktop.
- Nutzen Sie die Standardordner wie Dokumente, Bilder und Downloads.
- Programme starten Sie schneller über die Windows-Suche als über Desktop-Symbole.
- Strg + E aktiviert im Explorer das Suchfeld.
- Strg + Umschalt + N legt einen neuen Ordner an.
Warum Ordnung für blinde und sehbehinderte Nutzer so wichtig ist
Sehende „überfliegen“ einen vollgepackten Desktop oft noch visuell. Mit Screenreader ist das etwas ganz anderes: Wenn sich 50, 80 oder 150 Verknüpfungen auf dem Desktop stapeln, müssen Sie sich mühsam mit den Pfeiltasten durchnavigieren oder hoffen, dass Sie den Namen noch wissen, um mit dem Anfangsbuchstaben zu springen. Spätestens dann merkt man: Ordnung ist hier keine Kleinlichkeit, sondern Barrierefreiheit.
Ein aufgeräumter Rechner bedeutet:
- Sie finden wichtige Dokumente zuverlässig wieder.
- Sie sparen Zeit bei jeder Suche.
- Sie können anderen leichter erklären, wo etwas liegt – etwa im Supportfall.
- Backups und Rechnerwechsel werden deutlich entspannter.
Explorer verstehen: „Dieser PC“, Benutzerordner und Standardstruktur
Der zentrale Schlüssel zu mehr Ordnung ist der Windows-Explorer. Er hieß früher „Arbeitsplatz“, heute oft „Dieser PC“, ist aber immer dasselbe Programm. Mit Windows-Taste + E öffnen Sie ihn direkt.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen:
- Strukturansicht links – eine Baumstruktur mit Laufwerken, OneDrive, Benutzerordnern usw.
- Listenansicht rechts – hier sehen Sie die Dateien und Unterordner des gerade markierten Ordners.
Mit Screenreadern wie JAWS oder NVDA wechseln Sie typischerweise mit Tab zwischen diesen beiden Bereichen. In der Strukturansicht finden Sie Ihren Benutzerordner, darunter die Standardordner wie Dokumente, Bilder, Musik, Videos, Downloads und auch den Desktop.
Desktop gezielt nutzen – aber nicht als Ablagefläche
Mit Windows-Taste + D springen Sie jederzeit auf den Desktop. Für uns Blinde kann der Desktop ein praktisches Werkzeug sein – wenn er gezielt genutzt wird. Sinnvoll sind zum Beispiel einige wenige:
- Verknüpfungen zu häufig genutzten Programmen wie Outlook oder Word,
- Verknüpfungen zu wichtigen Ordnern,
- Internet-Verknüpfungen, die Sie regelmäßig benötigen.
Was der Desktop nicht sein sollte: eine Sammelstelle für alles, was „mal schnell abgelegt“ wird. Dateien gehören in Dokumente oder andere passende Ordner, nicht auf den Desktop. Denn jede zusätzliche Datei macht die Navigation mit dem Screenreader langsamer und unübersichtlicher.
Programme schnell finden: Windows-Suche statt Icon-Jagd
Viele Nutzer legen Programmsymbole auf den Desktop, nur um sie schneller starten zu können. Oft geht es aber noch viel effizienter:
- Drücken Sie die Windows-Taste.
- Tippen Sie die ersten Buchstaben des Programms, z. B. „word“ oder „out“ für Outlook.
- Bestätigen Sie mit Enter.
Hören Sie in der Startmenü-Suche statt des Programms nur „Alle“? Was dahintersteckt und wie Sie den Treffer trotzdem hören, erkläre ich im Beitrag Windows 11 Startmenü: Screenreader sagt nur „Alle“.
Dokumente richtig ablegen: Ordner, Cloud und E-Mail-Anhänge
Der Ordner „Dokumente“ ist der natürliche Ablageort für Ihre Dateien. Dort können Sie eigene Unterordner anlegen, zum Beispiel:
- Rechnungen
- Versicherungen
- Schule & Beruf
- Hilfsmittel & Anleitungen
Viele Nutzer „archivieren“ wichtige Dokumente in Outlook. Das kann funktionieren, ist aber riskant: Postfächer haben Größenbegrenzungen, und bei falscher Einrichtung (POP3 statt IMAP) liegen Mails nur lokal. Geht der Rechner kaputt, können Jahre an Kommunikation verloren sein.
Sicherer ist es, wichtige Anhänge als Datei zu speichern, zum Beispiel in einem thematisch passenden Ordner unter Dokumente. Wenn Sie zusätzlich OneDrive im Rahmen von Microsoft 365 nutzen, werden diese Ordner in die Cloud synchronisiert. Beim Rechnerwechsel sind Ihre Dateien dann direkt wieder da.
Suchen wie ein Profi im Explorer
Selbst mit guter Struktur werden Sie nicht jede Datei auswendig kennen. Deshalb lohnt sich die Suche im Explorer:
- Öffnen Sie den Ordner, ab dem Sie suchen möchten, zum Beispiel Dokumente.
- Drücken Sie Strg + E, um das Suchfeld zu aktivieren.
- Geben Sie einen Begriff ein, den Sie mit der Datei verbinden, etwa einen Teil des Dateinamens oder ein Wort aus dem Inhalt.
Windows durchsucht dabei nicht nur Dateinamen, sondern oft auch den Inhalt von Dokumenten. So finden Sie auch Dateien wieder, deren exakten Titel Sie längst vergessen haben.
Der wichtigste Shortcut für mehr Überblick: Strg + Umschalt + N
Ordnung entsteht durch Ordner. Der schnellste Weg zu einem neuen Ordner ist die Tastenkombination Strg + Umschalt + N (Strg + Shift + N). Wichtig ist:
- Sie stehen im gewünschten Zielordner (zum Beispiel in Dokumente oder einem Unterordner).
- Es ist in der Liste keine Datei markiert.
Dann erstellen Sie einen neuen Ordner, geben ihm einen aussagekräftigen Namen und verschieben die passenden Dateien dorthin. So wächst nach und nach eine Struktur, in der Sie sich gut zurechtfinden – auch mit Screenreader.
Für wen ist das?
Dieser Beitrag richtet sich an:
- blinde und stark sehbehinderte Windows-Nutzer, die ihren Rechner mit JAWS, NVDA oder dem Windows Narrator bedienen,
- Anfängerinnen und Anfänger, die gerade erst mit Windows beginnen und von Anfang an eine sinnvolle Struktur aufbauen möchten,
- Umsteiger, deren Desktop und Dokumente-Ordner bereits „aus allen Nähten platzen“ und die Ordnung ins bestehende Chaos bringen wollen,
- Angehörige, Beratungsstellen und ehrenamtliche Helfer, die blinde Nutzer beim Aufräumen und Strukturieren des Rechners unterstützen.
Wenn Sie das nicht alleine angehen möchten, unterstütze ich Sie gerne per Fernwartung, etwa mit JAWS Tandem oder TeamViewer. Den Support-Client können Sie bequem über support.schulze-graben.de herunterladen.
Passend dazu auf Tipps & Infos
- Umgang mit PDFs: Dokumente barrierefrei öffnen und lesen.
- JAWS Internet Navigation: Sicher im Web mit Edge.
- Eine Podcast-App für Windows: Noch ein Werkzeug für den PC.
- Passende Audioanleitung im Shop: Der kostenlose Screenreader NVDA.
FAQ – Häufige Fragen zur Ordnung auf dem Windows-Rechner
Reicht es nicht, alles auf dem Desktop zu speichern?
Kurzfristig mag das funktionieren, aber spätestens bei vielen Verknüpfungen wird der Desktop zur Barriere. Mit Screenreader müssen Sie sich durch lange Listen bewegen, und die Übersicht geht verloren. Besser: wenige, gezielte Verknüpfungen auf dem Desktop, alle Dateien in gut benannten Ordnern unter Dokumente.
Muss ich OneDrive nutzen, um Ordnung zu halten?
Nein. Eine klare Ordnerstruktur funktioniert auch ohne Cloud. OneDrive kann aber ein zusätzliches Sicherheitsnetz sein, insbesondere wenn Sie ohnehin Microsoft 365 nutzen. Dann werden Desktop und Standardordner wie Dokumente, Bilder und Downloads automatisch synchronisiert, was beim Rechnerwechsel viel Arbeit spart.
Ich habe schon komplettes Dateichaos – wo soll ich anfangen?
Beginnen Sie dort, wo Sie täglich arbeiten: im Ordner Dokumente und im Downloads-Ordner. Legen Sie einige wenige, klar benannte Hauptordner an (z. B. „Privat“, „Beruf“, „Finanzen“) und verschieben Sie Schritt für Schritt Dateien dorthin. Parallel können Sie sich die oben verlinkte Smütech-Folge anhören – oder direkt eine individuelle Online-Schulung oder Fernwartung bei mir buchen, wenn Sie sich eine persönliche Begleitung wünschen.
Wie lege ich am schnellsten einen neuen Ordner an?
Stellen Sie sich in den gewünschten Zielordner, achten Sie darauf, dass keine Datei markiert ist, und drücken Sie Strg + Umschalt + N. Dann geben Sie dem Ordner einen aussagekräftigen Namen und bestätigen mit Enter.
Fazit
Ordnung auf dem Windows-Rechner ist mit Screenreader echte Barrierefreiheit: Wer die Standardordner nutzt, den Desktop schlank hält und die Suche im Explorer beherrscht, findet seine Dateien zuverlässig wieder. Fangen Sie klein an – mit wenigen, klar benannten Ordnern unter Dokumente.
Hören, lernen, mitmachen
Alle Details hören Sie in der Smütech-Folge 100 Ordner auf dem Windows-Rechner – Mit System und Verständnis zu mehr Überblick. Und wenn Sie aus der Folge oder diesem Beitrag etwas für sich mitnehmen konnten, freue ich mich über eine kleine Geste unter danke.schulze-graben.de – denn auch digitale Ordnung entsteht Schritt für Schritt, aber nie ganz von allein.
Sie möchten das an Ihrem eigenen Gerät in Ruhe einüben? Über Schulung und Fernwartung begleite ich Sie persönlich und geduldig direkt an Ihrem System. Eine Individualschulung kostet 36 Euro je angefangene 30 Minuten inklusive Umsatzsteuer.
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Ihr Joachim Schulze
