Passwörter sicher verwalten: So schützen Sie als Blinder Ihre Konten
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
wer seine Passwörter sicher verwalten will, braucht mehr als ein einziges Kennwort für alles. In der Smütech-Folge 135 Kennwörter und Passkeys sicher verwalten zeige ich, wie Sie als blinder oder sehbehinderter Mensch Ihre Konten mit Zwei-Faktor-Authentifizierung, Face ID, Windows Hello, Passkeys und einem Passwortmanager schützen.
Das Wichtigste in Kürze
- Zettel in der Handyhülle, Sprachaufnahmen auf dem DAISY-Player und Passwortdateien auf dem PC sind brandgefährlich.
- Die Zwei-Faktor-Authentifizierung schützt Sie, selbst wenn ein Passwort in fremde Hände gerät.
- Sobald Online-Banking auf dem Gerät ist, sollten Face ID, Touch ID oder Windows Hello eingeschaltet sein.
- Passkeys erledigen die Zwei-Faktor-Anmeldung in einem Schritt.
- Ein Passwortmanager wie die Apple-App „Passwörter“ oder der Google Passwortmanager merkt sich starke, unterschiedliche Passwörter und lässt sich mit VoiceOver und JAWS bedienen.
Stand: 29.10.2026
Warum ein Passwort auf dem Zettel gefährlich ist
Vor einigen Jahren rief mich eine Person an, der 10.000 Euro vom Konto entwendet worden waren, während sie für eine dringende Operation im Krankenhaus lag. Gerätecode, Banking-PIN und die Codes ihrer Karten standen auf einem Zettel hinten in der Handyhülle. Das Handy blieb bei ihren Sachen, und vermutlich hat einfach jemand in die Hülle geschaut.
Genauso riskant ist es, Zugangsdaten als Sprachaufnahme auf einem DAISY-Player wie dem Milestone zu speichern. Das Gerät hat zwar kein Display, aber einen USB-Anschluss. Wer es findet, schließt es an einen Computer an und lässt eine KI die Aufnahmen abschreiben.
Und es geht nicht nur ums Geld: Wer Ihr Facebook-, Instagram- oder YouTube-Konto übernimmt, kann in Ihrem Namen alles Mögliche behaupten. Dann müssen erst einmal Sie nachweisen, dass Sie es nicht waren.
Zwei-Faktor-Authentifizierung: die wichtigste Barriere
Bei der Zwei-Faktor-Authentifizierung geben Sie zuerst Ihr Passwort ein und danach einen Einmal-Code, den Sie per E-Mail, SMS oder aus einer App bekommen. Bei PayPal erhalte ich zum Beispiel nach dem Passwort eine SMS mit dem Code.
Wird ein Passwort einmal geleakt, ist das mit aktiver Zwei-Faktor-Authentifizierung zunächst kein Drama. Ändern sollten Sie es trotzdem sofort. Schalten Sie diesen Schutz überall dort ein, wo es um Wichtiges geht: Bank, PayPal, E-Mail und soziale Netzwerke.
Face ID, Touch ID und Windows Hello einschalten
In meinen iPhone-Schulungen für Einsteiger lasse ich Face ID manchmal bewusst noch aus, wenn die ersten Schritte schwerfallen. Sobald Sie aber Online-Banking oder Zahlungskonten auf dem Gerät haben, brauchen Sie Face ID oder Touch ID unbedingt. Wie Sie anfangen, lesen Sie in iPhone für Blinde: Der leichte Einstieg mit VoiceOver, und worauf es beim Banking ankommt, in Onlinebanking für Blinde: Sicher und selbstbestimmt.
Unter Windows heißt das Ganze Windows Hello: Viele Laptops haben einen Fingerabdrucksensor, alternativ gibt es die Windows-PIN. Fehlt der Sensor, rüsten Sie einfach einen per USB nach.
Ihre Codes gehören weder auf einen Zettel noch in fremde Hände. Wenn ich per JAWS Tandem oder TeamViewer an Ihrem PC arbeite, bitte ich Sie, Ihr Passwort selbst einzugeben. Muss ich in Ausnahmefällen doch einmal eines hören, vergesse ich es sofort wieder.
Was sind Passkeys?
Passkeys sind gewissermaßen erweiterte Passwörter: Sie erledigen die Zwei-Faktor-Anmeldung in einem einzigen Schritt, geschützt durch Face ID, Touch ID oder Ihren Gerätecode. Ich habe zum Beispiel einen Passkey für meinen Apple Account. Melde ich mich damit am Windows-PC an, zeigt Windows einen QR-Code, und ich bestätige mit Face ID auf dem iPhone.
Laut Apple beruhen Passkeys auf dem Standard WebAuthn: Der private Schlüssel bleibt bei Ihnen, der Server erfährt ihn nie. Deshalb sind sie gut vor Phishing geschützt. Mehr dazu bei Apple unter Informationen zur Sicherheit von Passkeys und beim BSI unter Passkeys – anmelden ohne Passwort.
Welcher Passwortmanager passt zu Ihnen?
Für jedes Konto ein eigenes, starkes Passwort kann sich niemand merken. Dafür gibt es Passwortmanager, ungefähr so viele wie offene Eisdielen im Sommer. Am Windows-PC ist zum Beispiel KeePass gut bedienbar; es speichert Ihre Passwörter verschlüsselt auf der Festplatte. Ich selbst nutze drei Werkzeuge, jedes für seinen Zweck.
Microsoft Authenticator für Einmal-Codes
Den Microsoft Authenticator nutze ich nur für Einmal-Codes. Die App erzeugt die Codes selbst, statt dass sie per E-Mail kommen. Ich öffne sie mit Face ID, lese den Code ab und gebe ihn nach dem Passwort ein. So schütze ich etwa meine Zugänge zu Facebook, Microsoft und ElevenLabs, wo auch mein Stimmklon liegt. Passwörter speichere ich dort bewusst nicht.
Die Apple-App „Passwörter“ auf dem iPhone
Die App „Passwörter“ ist seit einigen iOS-Versionen fest im iPhone eingebaut und mit VoiceOver super navigierbar. Sie können suchen, Einträge hinzufügen, bearbeiten und kopieren; die Passwörter selbst bleiben verborgen, bis Sie sie anzeigen lassen. WLAN-Schlüssel speichert die App automatisch, sobald Sie sich verbinden. Ich arbeite meist mit dem Suchfeld, denn bei mir sind es weit über 100 Einträge.
So melden Sie sich mit einem gespeicherten Passwort an:
- Öffnen Sie die App oder Webseite, zum Beispiel Ihre Banking-App, und tippen Sie doppelt auf das Feld für den Benutzernamen.
- Über der Tastatur erscheint ein Vorschlag mit dem gespeicherten Zugang. Wischen Sie mit VoiceOver dorthin und tippen Sie doppelt.
- Bestätigen Sie mit Face ID oder Touch ID. Benutzername und Passwort werden eingefügt.
- Kommt kein Vorschlag, öffnen Sie die App „Passwörter“, suchen den Eintrag und wählen ihn dort aus.
In etwa 80 Prozent der Fälle erkennt das iPhone bei mir von allein, welches Passwort gebraucht wird. Das automatische Ausfüllen finden Sie unter Einstellungen → Allgemein → Automatisch ausfüllen & Passwörter. Laut Apple-Support können dort bis zu drei Passwort-Apps Ihre Passwörter einfügen.
Google Passwortmanager in Chrome für iPhone und Windows
Weil ich teils mit Windows und teils mit Apple arbeite, nutze ich zusätzlich den Google Passwortmanager. In Chrome habe ich nach der Anmeldung mit meinem Google-Konto, natürlich mit Zwei-Faktor-Authentifizierung, auf jedem Gerät alle Passwörter. Auf dem iPhone geben Sie Chrome in den Einstellungen für das automatische Ausfüllen frei. Wer lieber Microsoft Edge mit Microsoft-Konto nutzt, ist dort ebenso sicher.
Ändern Sie auf einer Webseite ein Passwort, fragt Chrome, ob es den Eintrag aktualisieren soll. Mit JAWS geht das so:
- Ändern und speichern Sie das Passwort auf der Webseite wie gewohnt.
- Drücken Sie F6, um in die Meldung von Chrome zu springen.
- Gehen Sie mit Tab oder Umschalt+Tab auf „Aktualisieren“ und drücken Sie die Eingabetaste.
Mehr zu JAWS im Browser finden Sie in JAWS Internet Navigation: Webseiten blind sicher bedienen, Tipps für starke Passwörter beim BSI unter Sichere Passwörter erstellen.
Ich bin selbst blind und melde mich täglich viele Male irgendwo an, mit VoiceOver auf dem iPhone und mit JAWS unter Windows. Dank meiner Passwortmanager ist alles vorausgefüllt und trotzdem sicher.
Für wen ist das?
Dieser Beitrag richtet sich an blinde und sehbehinderte Menschen, die ein iPhone oder einen Windows-PC mit VoiceOver oder JAWS nutzen und ihre Konten für Bank, PayPal, E-Mail und soziale Netzwerke besser schützen möchten.
FAQ
Ist es sicher, Passwörter in einem Passwortmanager zu speichern?
Ja, deutlich sicherer als auf Zetteln, DAISY-Playern oder in Textdateien. Die Passwörter liegen verschlüsselt vor und werden erst freigegeben, wenn Sie sich ausweisen: am iPhone per Face ID, Touch ID oder Gerätecode, am PC per Windows Hello oder Master-Passwort.
Welcher Passwortmanager eignet sich für Blinde?
Die Apple-App „Passwörter“ ist mit VoiceOver sehr gut bedienbar. Wer auch unter Windows arbeitet, kann zusätzlich den Google Passwortmanager in Chrome nutzen; KeePass ist eine weitere Lösung für den PC.
Was mache ich, wenn ich ein Passwort vergessen habe?
Wählen Sie auf der Webseite „Passwort vergessen“. Sie bekommen eine E-Mail mit einem Link, über den Sie ein neues Passwort festlegen.
Kann ich einen Passkey vom iPhone auch am Windows-PC nutzen?
Ja. Windows zeigt einen QR-Code, und Sie bestätigen die Anmeldung mit Face ID auf dem iPhone.
Fazit
Passwörter sicher verwalten heißt: nichts auf Zetteln, in Sprachaufnahmen oder Textdateien, überall unterschiedliche, starke Passwörter im Passwortmanager, Zwei-Faktor-Authentifizierung für alles Wichtige und Biometrie auf den Geräten. Mit VoiceOver und JAWS ist das alles gut machbar.
Alle Details hören Sie in der Smütech-Folge 135 Kennwörter und Passkeys sicher verwalten. Wie Sie sich mit dem Ausweis online identifizieren, lesen Sie in Online-Personalausweis für Blinde: eID mit iPhone nutzen.
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Ihr Joachim Schulze
