Mann mittleren Alters mit kurzen grau melierten Haaren, Bartstoppeln, dunkler Sonnenbrille und dunkelblauem Pullover tippt am Holzschreibtisch auf einem silbernen Laptop, daneben Kopfhörer und Tasse. Symbolbild zu KI Grenzen für Blinde.

KI Grenzen für Blinde: Was geht, was nicht

KI Grenzen für Blinde: Was geht, was nicht

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

über KI Grenzen für Blinde wird gerade viel gesprochen, denn überall wird von den großen Gefahren der KI berichtet. In Folge 133 „Grenzen der KI-Entwicklung“ meines Podcasts Smütech schaue ich nüchtern hin: Was kann künstliche Intelligenz heute schon, was bleibt Zukunftsmusik, und wo liegen Grenzen, die Sie kennen sollten? Es geht nicht um Verzicht, sondern um Selbstbestimmung mit offenen Augen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer KI bedient, bleibt verantwortlich – wie beim Auto oder beim Tempomat.
  • Recherche, Transkription und Shorts helfen im Alltag; Quellen und Ergebnisse prüfe ich trotzdem selbst.
  • Für die Arbeit mit KI-Agenten nutze ich ein getrenntes Cloud-Konto und gebe keine echten Zugangsdaten heraus.
  • Bei KI-Werbe- und Betrugsanrufen, auch im Namen einer Blindenwerkstatt, lege ich auf.
  • Verantwortungsvoll genutzt und ohne persönliche Daten ist KI gerade für blinde Menschen eine enorme Unterstützung.

Stand: 03.11.2026

Warum überhaupt über Grenzen sprechen?

Ich steige in der Folge mit einem Bild von Stanisław Lem ein: In seinem Fernsehspiel „Der getreue Roboter“ entzieht sich ein Roboter der menschlichen Kontrolle. Dazu passen aktuelle Schlagzeilen: Agentenschwärme sollen PCs gestürmt und ganze Serverfarmen zum Absturz gebracht haben. Außerdem verpflichteten sich große KI-Konzerne einseitig selbst. Das klingt dramatisch. Für den Alltag zählt aber etwas anderes: Wie nutze ich KI so, dass ich die Hand drauf habe?

Für blinde Menschen wird das Leben ohne KI ohnehin deutlich schwieriger. Die Frage lautet längst nicht mehr, ob man mit KI arbeiten möchte, sondern wie. Und welche Lösung zu den eigenen Bedürfnissen passt – nicht, welche gerade als „beste KI“ gilt.

Wie begleitet mich KI im Alltag?

Ich bin selbst blind und komme ohne KI im Beruf und bei der Vorbereitung meiner Montagsveranstaltungen zeitlich kaum noch klar. Früher saß ich für eine solche Recherche vier bis fünf Stunden bei Google. Heute arbeite ich sehr viel mit Grok von xAI, DSGVO-konform und ohne Kundendaten. Die KI spart mir Recherchearbeit, liefert Quellenangaben und hilft beim Lernen neuer Apps und Systeme. Die genannten Quellen prüfe ich trotzdem immer selbst nach.

Ebenso lasse ich Audiodateien per KI transkribieren, unter anderem die Podcast-Folgen. Mit Transkript findet Google die Episoden besser, und ich kann den Text für Newsletter und Social Media weiterverwenden. Auch YouTube-Shorts und Instagram-Reels von 30 bis 50 Sekunden entstehen mit KI aus Folien und Ton. Mit einem Videoschnittprogramm bräuchte ich dafür selbst drei bis vier Stunden. Vor dem Upload kontrolliere ich das Ergebnis, entweder mit einem KI-Audiodeskriptionsdienst oder mit sehender Hilfe. Das ist für mich Pflicht.

Wer ChatGPT und andere Modelle vergleichen möchte, findet in meinem Beitrag ChatGPT vs Gemini für blinde Nutzerinnen und Nutzer einen Praxisblick. Für schnelle Recherche mit Quellen eignet sich auch Perplexity AI als sprechende Suchmaschine.

Wer bedient die KI, trägt die Verantwortung

Das zentrale Thema der Folge ist Verantwortung. Die KI ist eine Maschine, die von Menschen gesteuert wird. Wer sie bedient, ist für sie verantwortlich – genau wie beim Auto, beim Tempomat oder beim Autopiloten. Nach meinem Laienverständnis ist nicht der Hersteller schuld, wenn jemand die Geschwindigkeitsregelung einschaltet, den Fahrersitz verlässt und einen Unfall baut. Ebenso gilt: Wenn Menschen KI kriminell einsetzen, liegt das Problem im Handeln, nicht in der Technik selbst.

Im Alltag merke ich das auch am Telefon. Immer wieder werde ich von KI-Stimmen angerufen, die sich als jemand von Firma X vorstellen und einen Beratungstermin wollen. Ich lege dann auf. Seriöse Firmen nutzen solche Wege, Trittbrettfahrer aber auch. Es gibt Fake-Anrufe im Namen der Münchner Blindenwerkstatt: Am Anfang klingt es nach Besen und Bürste, später geht es um ganz andere Dinge. Bei Werbe- und Betrugsanrufen gilt deshalb: auflegen, nicht mitspielen.

Getrenntes Cloud-Konto und keine Zugangsdaten an Agenten

Wenn ich mit KI-Agenten arbeite – bei Grok heißen sie Bots, bei anderen Anbietern anders – nutze ich ein getrenntes OneDrive-Konto nur für den Austausch mit der KI. Meine echten Cloud-Accounts bleiben davon unberührt. Meine Zugangsdaten für Microsoft, iCloud oder Nextcloud gebe ich einem Cloud-Agenten noch nicht. Auch selbstständig auf Facebook posten darf die KI bei mir bisher nicht. Irgendwann wird es so weit sein, ob in einem Jahr oder in zwei, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Bis dahin gilt: Kontrolle behalten, Daten bewusst wählen.

Dasselbe gilt für Screenreader-Funktionen mit KI. Welche Möglichkeiten JAWS inzwischen mitbringt und wo sensible Daten Grenzen setzen, beschreibe ich in KI in JAWS: Picture Smart und FS Companion.

Warum ein Smartphone ganz ohne Touchscreen noch wartet

Immer wieder werde ich gefragt, wann endlich ein aktuelles Smartphone ganz ohne Touchscreen kommt. Das T Phone ist gefloppt. Meine ehrliche Antwort: Darauf muss man wahrscheinlich noch eine ganze Weile warten. Über Prompt Injection, also die Manipulation von Eingaben, lässt sich eine KI bei kritischen Aktionen noch zu leicht übernehmen. Sitzt die KI tief im Gerät und kommt an viele, auch biometrisch geschützte Daten, wird das riskant. Das ist auch ein Grund, warum Apple Siri ungern für Drittanbieter öffnet. Vor diesem Hintergrund genieße ich auch die einseitige Selbstverpflichtung großer KI-Konzerne mit Vorsicht: Konsequenzen bei Verstößen sind nicht geregelt, und eine staatliche Durchsetzung gibt es nicht.

Was iOS inzwischen bei Bildschirm- und Szenenbeschreibung kann, und was das für VoiceOver bedeutet, lesen Sie in iOS 27 VoiceOver und die neuen iPhones. Bildbeschreibungen mit Be My Eyes oder der iOS-Bildbeschreibung und der Austausch mit ChatGPT helfen im Alltag enorm – wenn Sie keine persönlichen Daten preisgeben und die Ergebnisse kritisch prüfen.

Für wen ist das?

Dieser Beitrag richtet sich an blinde und sehbehinderte Menschen, die KI im Alltag selbstbestimmt nutzen wollen und wissen möchten, wo heute Grenzen liegen. Er hilft auch Angehörigen, Assistenzkräften sowie Trainerinnen und Trainern, die Betroffene bei Recherche, Datenschutz und Gerätewahl unterstützen.

FAQ

Was sind die KI Grenzen für Blinde im Alltag?

Grenzen liegen vor allem bei Kontrolle und Daten: Quellen selbst prüfen, Ergebnisse vor dem Hochladen kontrollieren, keine echten Zugangsdaten an Cloud-Agenten geben und persönliche Daten nicht preisgeben. Technik ist Werkzeug; Verantwortung bleibt bei Ihnen.

Welche KI ist die beste für blinde Nutzerinnen und Nutzer?

Es zählt nicht mehr, welche KI „die beste“ ist, sondern welche zu Ihren Bedürfnissen passt. Grok, Claude, ChatGPT und andere können unterschiedlich stark sein. Entscheiden Sie nach Aufgabe, Bedienbarkeit mit Screenreader und Datenschutz.

Warum ein getrenntes Cloud-Konto für KI-Agenten?

Damit die Agenten nur mit dem arbeiten, was Sie bewusst freigeben. Ein separates Konto schützt Ihre echten Cloud-Zugänge. Zugangsdaten für Microsoft, iCloud oder ähnliche Dienste gehören dort nicht hinein.

Was ist Prompt Injection – und warum bleibt der Touchscreen?

Prompt Injection meint die Manipulation von Eingaben, mit der sich eine KI übernehmen lässt. Sitzt sie tief im Smartphone, ist das Risiko für kritische Aktionen noch zu hoch. Ein aktuelles Smartphone ganz ohne Touchscreen kommt deshalb wohl so bald nicht.

Wie erkenne ich betrügerische KI-Anrufe?

Unaufgeforderte Anrufe von KI-Stimmen und Anfragen im Namen bekannter Blindenwerkstätten sind Warnsignale. Ich lege bei solchen Anrufen auf. Seriöse Angebote holen Sie sich lieber selbst ein.

Soll ich als blinde Person auf KI verzichten?

Nein. Wenn Sie verantwortungsvoll nutzen und keine persönlichen Daten preisgeben, ist KI eine enorme Unterstützung – von Bildbeschreibung bis Recherche. Darauf zu verzichten wäre der falsche Weg.

Fazit

Die KI Grenzen für Blinde sind weniger Science-Fiction als Alltagspraxis: Verantwortung behalten, Daten trennen, Quellen prüfen und Angebote kritisch auswählen. Dann bleibt KI das, was sie für mich ist – eine starke Hilfe bei Recherche, Transkription und Shorts, ohne dass ich die Kontrolle abgebe.

Alle Details und Beispiele hören Sie in Folge 133 „Grenzen der KI-Entwicklung“.

Wenn Sie unsicher sind, welche KI zu Ihnen passt oder wie Sie Agenten und Cloud-Konten sicher einrichten, packe ich das gern gemeinsam mit Ihnen an. Alle Möglichkeiten finden Sie unter Schulung und Fernwartung.

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Ihr Joachim Schulze